Ununterbrochen versichert – im Schadenfall allein gelassen

Gastbeitrag von schnittker-versicherungsmakler.de

Az.: 8 U 213/11

Bereits am 10. Mai dieses Jahres beschloss das Oberlandesgericht in Celle ein Urteil, das erst kürzlich in entsprechender Größenordnung publik wurde und nun die Runde macht. Der Fall, der geklärt werden musste, ist schnell erzählt:

Nach Jahren wechselte der Kläger seine Wohngebäudeversicherung, um den gleichen Versicherungsschutz zu günstigeren Konditionen zu erhalten. Die Rechnung ging auf – bis ein gutes Jahr später ein Leitungswasserschaden am Kaltwasseranschluss seiner Spülmaschine zutage trat. Der Kläger meldete verständlicherweise seinem neuen Versicherer den Schaden. Der nahm das zur Kenntnis, weigerte sich aber, für den Schaden finanziell aufzukommen. Das Leck könne schon viel eher – das heißt: zu Zeiten, in denen noch der alte Versicherer für den Kläger zuständig war – entstanden sein. Als sich der Kläger daraufhin an seinen alten Versicherer wendete, hörte er die gleiche Begründung nur umgedreht: Der Schaden könne gut und in gerne im Laufe des letzten Jahres eingetreten sein und wurde erst jetzt bemerkt, da Wasser auftritt. Folglich müsse der neue Versicherer einstehen.

Das OLG Celle hatte nun zu entscheiden, welcher der beiden Versicherer den Schaden regulieren müsse. Antwort: keiner von beiden. Es liege beim Versicherten, den genauen Zeitpunkt des Schadeneintritts dem Versicherer mitzuteilen. Erst dann habe er Anspruch auf Leistungen. Was dabei jedoch völlig ignoriert wurde, ist der Fakt, dass Leitungswasserschäden oft nicht exakt datiert werden können, selbst von unabhängigen Gutachtern und Spezialisten nicht. Welche Möglichkeiten soll dann der Versicherte haben, just den Moment abzupassen, in dem eine Leitung leckschlägt, die obendrein durch eine Wand verläuft?

Eben diese Frage macht das Urteil so brisant und diskussionswürdig. Beinahe als „unmoralisch“ kann es bezeichnet werden, wenn man sich zudem bewusst macht, dass hier ein Versicherter über Jahrzehnte Beiträge zahlte, um im Schadenfall dennoch allein dazustehen. Mag das Urteil aus versicherungsrechtlicher Sicht zwar korrekt sein, hat es doch eine denkbar falsche Signalwirkung. Hier wurde stur auf der Beweispflicht des Versicherten beharrt, welcher er machtlos gegenüberstand und die so zu einer Beweislast wurde. Umso notwendiger ist nunmehr, nach Lösungsansätzen für Versicherungslücken dieser Art zu suchen. Neue Vertragsklauseln, die eine Nachhaftung des alten Versicherers oder eine Übernahme auch unbekannter Schäden durch den neuen Versicherer regeln, sind beispielsweise denkbar und müssen diskutiert werden.

Und die Versicherer? Die haben im Zuge des Urteils nicht gerade positive Eigenwerbung betrieben. Anstatt den Schwarzen Peter jeweils dem Anderen zuzuschieben, hätten sie gut daran getan, gemeinsam für den Schaden aufzukommen. So aber verpassten sie die Chance, sich nicht nur als mandantenfreundliche Unternehmen zu inszenieren, sondern sich tatsächlich als solches zu präsentieren.

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27 Kommentare auf "Ununterbrochen versichert – im Schadenfall allein gelassen"

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Conner Mercer
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Das ist doch scheiße mal ehrlich, die Versicherungen heutzutage wollen einen unbedingt haben und bieten einem tolle angebote an und wenn man dann auch noch sowas mitmacht kommt so was dabei raus. Letzendlich sieht man wieder das niemand wirklich einem helfen will. Aber gut ich hätte wahrscheinlich einfach einen zeitpunkt gesagt wann der schaden aufgetreten ist um nicht dieses ganze prozedere durchzugehen aber zum glück habe ich dieses problem nicht.

mfg
Conner

dorny2012
Gast

Der größte Albtraum überhaupt. Nicht selten wird man von den Versicherungen ausgenommen, fühlt sich jedoch gut beraten und sicher. Wenn es dann hart auf hart kommt, wird es ein erbitterter Kampf um jeden Cent Schadensersatz. In meinem Bekanntenkreis ist dies schon vorgekommen und ich habe sofort die Versicherung gewechselt.

Yvonne
Gast

Wenn ich mir nur jeden Tag mein Email Fach ansehe und die dortigen Mails von Versicherungen, Beratern oder Vermittlern lese, bekommt man den Eindruck als wäre man dort als Kunde König. Vor einem Vertragsabschluß wird man von den Versicherern umworben und angeblich ist alles toll. Traurig das es dann im Schadensfall anders kommt.

Leonie
Gast

Die im Artikel erwähnte Kundenfeindlichkeit bei Versicherern erlebt man leider viel zu oft, gerade ab Summen im vier- bis fünfstelligen Bereich (Auto geklaut etc.).

Aber so lässt sich nun mal Gewinn maximieren und wenn es alle machen hat man dadurch keinen Nachteil. Effektiv, aber unschön^^

sascha
Gast

Das gabs denke ich schon immer, die Versicherungen nutzen halt jede Klausel um nicht zahlen zu müssen.. oder verringerte Zahlungen zu tätigen.. Ich kenne auch einige sogar Burnout Patienten die es bestädigt haben von einen Arzt und keinen Cent sehen. Ich denke es ist leider traurig aber Wahr dieser Umgang mit Kunden.

Iris
Gast

Es ist doch klar, dass die Versicherungen im Vorfeld alle ihre Leistungen anpreisen und die unangenehmen Dinge schnell unter den Tisch fallen lassen. Wenn man in der nächsten Woche ein paar Versicherungen abklappert hat man bei jeder das Gefühl man hätte es mit der besten Versicherung zu tun und man wäre gegen alles abgesichert.

Daniel
Gast

So ist es doch allzu oft… Wenn die Versicherungen sich nicht wie in diesem Fall um eine Zahlung drücken können, dann warten sie im extremfall so lange und klagen so lange bis der Versicherungsnehmer finanziell zusammengebrochen ist. Dagegen sollte man was unternehmen und dem Richter in diesem Fall eins auf die Finger klopfen!

Arnold
Gast

Schlechte Press ist besser als gar keine Presse? In diesem Fall wohl eher nicht. Die Versicherungen hätten sich eindeutig die Kosten teilen können. Einfach nur enttäuschend das der Versicherungsnehmer so sehr im stich gelassen wird.

Steve
Gast

Da kann man doch eigentlich nur den Kopf schütteln, was die Gerichte da entscheiden….Ich bin kein Versicherungsexperte, aber eine Lösung im Sinne der Verbraucher sollte es da geben. Eine Versicherung soll vor Existenznöten schützen….hier war das anders.

Wie ist es, wenn die Schuldfrage bei einem Verkehrsunfall nicht eindeutig geklärt werden kann. Wer für die Regulierung zuständig ist, ist dann ungeklärt. Hier haftet dann meines Wissens der Teilschuld entsprechend durch Prämienerhöhung auch der Unschuldige. Kann in diesem Falle keiner Versicherung die Zuständigkeit nachgewiesen werden, haftet nur der Verbraucher und keine der Versicherungen. Finde ich nicht Fair!!!!

Jan
Gast

Der größte Alptraum überhaupt. Meistens wird man von den Versicherungen ausgenommen, fühlt sich aber sehr gut beraten und geschützt. Wenn es dann jedoch ernst wird, wird es ein harter Kampf um jeden Euro-Cent Schadensersatz. In meinem Bekanntenkreis ist dies des Öfteren vorgekommen und ich habe unmittelbar die Versicherung gewechselt.

Alexander
Gast

Eine der wichtigsten Versicherungen ist deshalb die Rechtsschutzversicherungen, um sich gegen so manche unberechtigte Ablehnung wehren zu können.

Simon
Gast

Ganz schön bescheuert… klar wollen die Versicherungen nicht zahlen, wer kanns ihnen übel nehmen… aber wer kann einem dann noch übel nehmen, dass die Leute das Vertrauen in die Versicherungen verlieren, wenn das, was die tun, weniger versicher sondern vielmehr sich mit allen Mitteln davor zu drücken, ist.
Das Urteil selbst ist auch sehr fragwürdig meiner Meinung nach…. sowas sendet ganz falsche Signale aus.

Elisabeth
Gast

Also das es gut und gerne mal passieren kann, dass man zwar immer brav bezahlt hat, im Schadensfall dann aber nichts bekommt. Ich denke das ist leider schon einigen von uns passiert. Dennoch würde ich immer meine Versicherung zahlen (dabei aber immer drauf achten das ich im Fall der Fälle auch etwas bekomme!)

Nina
Gast

Ich denke, dass die „Unfallversicherung“ ebenso wichtig ist und häufig unterschätzt wird.

Vanessa
Gast

Traurige Wahrheit.. Uns ist das zum Glück noch nicht passiert, aber in unserem Bekanntenkreis haben wir mittlerweile zwei solcher Fälle. Eine der Familien hatte sogar noch jede Menge Extra-Super-Zusatzversicherung abgeschlossen, aber es hat nichts genützt. Sie sind auf allem sitzengeblieben.

Adam D.
Gast

Das ist mal wieder typisch. da haben wir so viele schöne Gesetze, die eigentlich den Normalobürger schützen sollen, doch letztendlich, wenn man dann Hilfeenötigt, passiert nichts. Mir ist es auch bereits so ergangen und letztendlich ist man am ende wieder der Dumme.

Luisa Pfeffer
Gast

Das Urteil ist in der Tat nicht sehr verbraucherfreundlich. Den einzigen Tipp, den man Hausbesitzern diesbezüglich noch geben kann, ist: Wechseln Sie Ihre Wohngebäudeversicherung nicht vorschnell und wenn es doch sein muss, dann untersuchen Sie Ihr Haus (also sämtliche Wohnungen und Nebenräume) vorher auf eventuelle Schäden. Nur so können Sie eine Situation wie die oben geschilderte vermeiden.

Timo
Gast

Die wichtigste Versicherung ist die Rechtsschutzversicherung, gerade wenn man eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hat.

Thomas Ludolph
Gast

Letztendlich sollte jeder Versicherungsnehmer zur Setzung berechtigter Ansprüche gegen eine Versicherungsgesellschaft auch eine Rechtsschutzversicherung haben. Bezüglich der Schadenregulierungspraxis der Versicherungsgesellschaften scheint dies geradezu unerlässlich zu sein.

Robin
Gast

Ätzend, wie da mit den Versicherten umgegangen wird.

Ich wüsste aber auch nicht, wie der Kläger jetzt beweisen sollte, dass der Schaden zu einem bestimmten Zeitpunkt eingetreten ist?!

Peter Sieverth
Gast

Ein krasses Beispiel, wie Versicherung eigentlich nicht funktionieren sollte. Bedauerlich ist aber auch, dass sich ein Gericht dieser verbraucherunfreundlichen Argumentation anschließt.

Karl Schutzpaket
Gast

Meiner Meinung nach ist ene gute Unfallversicherung heutzutage auf jeden Fall genausowichtig. Ist aber nur meine Meinung.

Franziska Mehrer
Gast

Wiedermal ein ziemlich negatives Beispiel für Versicherungen. Dennoch halte ich es nicht für ratsam auf Unfallsversicherung komplett zu verzichten. Denn in vielen Fällen funktioniert die Abwicklung mit der Versicherung ganz gut und dann ist man froh nicht alleine dazustehen.

Markus
Gast

Bei Versicherungen sollte man sich vorher gut Informieren und auch mal Meinungsportale etc. durchforsten. Das sind gute Indizien.

Markus

Franka
Gast

Viele haben Recht, aber manchmal ist der Kunde auch nicht fair, er möchte am liebsten immer billiger, billiger billiger und wenn dann mal was nicht richtig versichert ist, sind es Berater und Versicherer. Aber der Kunde hat doch 5 Euro im Monat gespart 😉

Dieter
Gast

Was soll ich dazu noch sagen???? Traurig, aber habe es jetzt schon öfter gehört. Kann nur den Tipp geben nicht die günstigste Versicherung zu nehmen.

Bernd
Gast

Wer eine Versicherung abschließt, tut gut daran, auch immer das Kleingedruckte zu lesen. Unwissenheit führt nämlich häufig zu Unzufriedenheit. Dieser beschriebene Fall bietet natürlich extremes Diskussionspotenzial. Das ist aber ja nun auch nicht die Regel. Es gibt auch genug Schadenfälle, bei denen Versicherte mit einer Schadenzahlung vor dem finanziellen Ruin bewahrt wurden. Über diese Fälle sprechen die Wenigsten. Leider gibt es halt auch viel zu viele Versicherungsnehmer, die versuchen, über angebliche Versicherungsfälle ihre eingezahlten Beiträge zurück zubekommen. Das führt dazu, dass Versicherungen präzise prüfen müssen und Versicherungsbeiträge steigen.